Inklusion – Gemeinsames Lernen

Inklusion wird an der Gesamtschule Rheinbach – wir sind eine Schule für alle – als eine menschliche Grundhaltung verstanden, eine Einstellung im Umgang mit Diversität, d.h. Vielfältig- bzw. Unterschiedlichkeit jeglicher Art, zu der sich alle an der Schule Beschäftigten bekennen. Dies setzt die Bereitschaft aller Beteiligten zu einer engen Teamarbeit, zum gegenseitigen Voneinander-Lernen, zum gegenseitigen Ergänzen und Unterstützen, zur gemeinsamen Verantwortlichkeit voraus.

Gemäß dem Motto „Keiner kann alles, aber jeder kann etwas und gemeinsam kann Großes gelingen“ wird an unserer Schule schon seit der Schulgründung 2014 inklusives Miteinander, erfolgreich gelebt.

Mit Inkrafttreten des 9. Schulrechtsänderungsgesetzes wurde im Jahr 2013 das Gemeinsame Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung – mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf – an allgemeinbildenden Schulen gesetzlich verankert und somit zum Regelfall.

An der Gesamtschule Rheinbach werden inzwischen mehr als 100 Schüler*innen mit einem oder mehreren sonderpädagogischen Förderbedarfen unterrichtet.

Das sind die Förderbedarfe Lernen (LE), Sprache (SQ), Emotionale- und soziale Entwicklung (ESE), Körperliche- und motorische Entwicklung (KME), Hören und Kommunikation (HK), Geistige Entwicklung (GG), sowie Schüler*innen mit einer Autismus- Spektrum-Störung.

Neben drei Sonderpädagog*innen der Gesamtschule Rheinbach, die fest zum Kollegium gehören, unterstützen im Schuljahr 2020/21 auch fünf stundenweise abgeordnete Sonderpädagog*innen von umliegenden Förderschulen, sowie ein Erzieher, der als Multiprofessionelle-Team-Kraft fest eingestellt werden konnte, die inklusive Arbeit mit ihrer Fachexpertise. Zusätzlich befinden sich derzeit zwei Regelschulkolleg*innen in einer anderthalbjährigen berufsbegleitenden Ausbildung, die mit Abschluss ihr zweites Staatsexamen im Bereich der Sonderpädagogik erlangen.

Pro Jahrgang werden an der Gesamtschule Rheinbach zwei bis drei Inklusionsklassen gebildet, in denen die Schüler*innen mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf zielgerichtet unterrichtet werden. Diese Klassen können in der Gesamtschülerzahl etwas abgesenkt werden. Dadurch kann eine sonderpädagogische Unterstützung und Förderung intensiver und effektiver erfolgen.

Jeder Jahrgang wird schwerpunktmäßig von einer Lehrkraft für Sonderpädagogik betreut, die in der Regel auch fest zu einem Klassenleitungsteam gehört und in allen Inklusionsklassen unterrichtet.

Es ist für alle an der Schule unterrichtenden Lehrer*innen eine pädagogische Herausforderung, den Fokus auf das Erkennen und Wertschätzen von Stärken und Talenten sowie auf das Annehmen von Schwächen und Unterstützungsbedürfnissen zu legen. Alle Schüler*innen werden durch kooperative Arbeitsformen, die Gestaltung einer positiven Lernumgebung und individueller Förderung in ihrem Lernprozess unterstützt.

Durch individuelle Fortbildungen und Beratungen durch die schuleigenen Fachkräfte, sowie die Teilnahme an pädagogischen Tagen für das komplette Kollegium bilden sich die Lehrkräfte stetig weiter, um dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht zu werden.

Inklusion heißt in der Unterrichtspraxis: Alle arbeiten am selben Thema – aber nicht von allen wird dasselbe gefordert. Diesem Anspruch mit einer Vielzahl an Differenzierungsmöglichkeiten und individuellen Lernzugängen gerecht zu werden, ist tagtäglich eine große Herausforderung. Damit diese Arbeit Früchte trägt, bedarf es einer ständigen Kooperation und des regen Austauschs der Kolleg*innen untereinander, sowie der interdisziplinären Zusammenarbeit mit Sozialpädagog*innen, Beratungslehrer*innen, Ärzt*innen, Therapeut*innen, dem Jugendamt, der Agentur für Arbeit, Ausbildungsbetrieben etc..

Die Bereitschaft zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf Seiten der Eltern ist ebenfalls unverzichtbar. Aus den Erfahrungen der vergangenen Schuljahre haben sich verschiedene Bausteine ergeben, die Stück für Stück zu einem inklusiven Gesamtkonzept zusammengeführt werden.

Birgit Beißel, Sonderpädagogin, Februar 2021