Hinschauen, helfen, Leben retten – Schüler der Gesamtschule Rheinbach rettet Elsterküken

Manchmal sind es die kleinen Gesten, die Großes bewirken. Genau das bewies der Schüler Yigit aus der Klasse 9.6 Ende Juni. Auf dem Weg zur Schule entdeckte er am Bahnhof ein Elsterküken, das hilflos und völlig entkräftet auf dem Boden lag. Statt einfach weiterzugehen, schaute er genau hin, schätzte die Situation richtig ein und handelte sofort. Gemeinsam mit dem kleinen Vogel machte sich Yigit auf den Weg zur Schule und fragte im Lehrerzimmer nach Hilfe. Da bekannt war, dass Lehrerin Frau Berghorn sich seit vielen Jahren im Tierschutz engagiert, wandten sich die Lehrkräfte an sie, um dem kleinen Vogel fachmännisch zu helfen.

Zunächst wurde das Küken vorsichtig untersucht. Glücklicherweise waren keine offenen Wunden oder Bissverletzungen zu erkennen. Besonders erfreulich war, dass die junge Elster bereits den Schnabel weit öffnete und um Futter bettelte – ein wichtiges Zeichen dafür, dass noch Lebenswillen und Kraft vorhanden waren. Jetzt musste schnell gehandelt werden, damit der Nestling nicht weiter geschwächt wurde. Kurzerhand besorgten engagierte Lehrkräfte Hühnerherzen, die sich als erste Notnahrung eigneten. Noch im Lehrerzimmer erhielt das Küken seine erste Fütterung. Sein Allgemeinzustand war aber weiterhin kritisch und eine fachkundige Versorgung erforderlich.

Frau Berghorn brachte den kleinen Patienten umgehend zu einer Wildvogel-Päppelstelle, wo er seitdem liebevoll und artgerecht versorgt wird. Das Küken wurde nach seinem Retter „Yigit“ benannt. Der kleine Yigit hat sich in den letzten Wochen gut entwickelt und ist mittlerweile in eine Auswilderungsvoliere umgezogen, wo er gemeinsam mit anderen geretteten Wildvögeln auf seine Rückkehr in die Freiheit vorbereitet wird. Schon bald soll er zusammen mit seinen Artgenossen ausgewildert werden. Die gesamte Schulgemeinschaft drückt ihm dafür fest die Daumen und wünscht ihm viel Glück für sein Leben in der Natur.

Der kleine Elsternestling ist ein sogenannter Hitzespringer. Während der immer häufiger auftretenden Hitzewellen entwickeln sich in Vogelnestern – insbesondere bei Gebäudebrütern wie Mauerseglern oder Mehlschwalben – teilweise Temperaturen von über 80 Grad Celsius. Für die Jungvögel wird das Nest dann zur tödlichen Falle. In ihrer Not springen sie heraus, um der Hitze zu entkommen. Am Boden sind sie jedoch schutzlos und sterben ohne menschliche Hilfe an Verletzungen, Hunger und Durst oder werden zur leichten Beute von Katzen und anderen Tieren.

Gerade deshalb ist das Verhalten des Schülers Yigit so vorbildlich, denn er hat hingeschaut und Verantwortung übernommen. Jeder kann helfen – sei es durch das Melden oder Sichern eines hilflosen Wildtiers oder durch das Bereitstellen von Wasserstellen während heißer Sommertage. Wildtiere leiden unter Hitze und Trockenheit oft noch stärker als wir Menschen. Flache Wasserschalen helfen beispielsweise Igeln, während manche Vogelarten als sogenannte Saugtrinker auch tiefere Gefäße nutzen. Wichtig ist in jedem Fall, einen kleinen Ast oder Stein in die Wasserstelle zu legen, damit auch Insekten, Mäuse oder andere Kleintiere gefahrlos wieder herausklettern können.

Die Rettung der kleinen Elster zeigt eindrucksvoll, dass Tierschutz im Alltag beginnt. Die Gesamtschule Rheinbach ist stolz auf ihren Schüler Yigit. Dank seines beherzten Einsatzes hat ein Vogelküken eine zweite Chance auf ein Leben in Freiheit erhalten. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, dass jeder Einzelne einen Unterschied machen kann.
Autorinnen: Inge Arandan & Christine Berghorn