Ab dem Schuljahr 2026/27 wird die Laienreanimation an allen weiterführenden Schulen in NRW fester Bestandteil des Unterrichts. Alle Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe 7 sollen lernen, wie sie im Ernstfall Leben retten können – ein wichtiger Schritt, denn ein Herz-Kreislauf-Stillstand gehört in Deutschland zu den drei häufigsten Todesursachen.
Besonders alarmierend ist, dass ein Herz-Kreislauf-Stillstand meist im häuslichen Umfeld und in Anwesenheit anderer Menschen eintritt. Dennoch beginnen derzeit nur rund die Hälfte der anwesenden Personen mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Dabei erhöht eine sofortige Herzdruck-Massage die Überlebenschancen erheblich und kann schwere, oft irreversible Schäden am Gehirn verhindern oder zumindest deutlich verringern.
Dass es auch anders geht, zeigen Länder wie Norwegen oder Dänemark. Dort liegt die Quote der Laienreanimation bei rund 80 Prozent. Dieser Erfolg ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Wiederbelebungsmaßnahmen dort bereits seit vielen Jahren in der Schule vermittelt werden.
An der Gesamtschule Rheinbach begann die Umsetzung dieses wichtigen Themas bereits im Juni 2026. Die ersten Klassen des Jahrgangs 8 beschäftigten sich im Unterricht mit der Laienreanimation. Nach einer kurzen theoretischen Einführung stand vor allem das praktische Üben im Mittelpunkt. An Übungspuppen trainierten die Schülerinnen und Schüler die richtige Herzdruck-Massage und erfuhren, worauf es im Notfall wirklich ankommt.
Eine der häufigsten Fragen lautete: „Kann man dabei nicht die Rippen brechen?“ Die Antwort der Lehrkräfte war ebenso ehrlich wie einprägsam: „Ja, aber besser eine gebrochene Rippe als tot.“ Diese Aussage machte den Jugendlichen schnell deutlich, dass entschlossenes Handeln im Ernstfall wichtiger ist als die Angst, etwas falsch zu machen.
Mit großem Engagement übten die Schülerinnen und Schüler die Wiederbelebungsmaßnahmen. Dabei merkten sie schnell, wie anstrengend eine Herzdruck-Massage sein kann. Acht Minuten – so lange dauert es selbst im günstigsten Fall, bis der Rettungsdienst eintrifft – können beim kontinuierlichen Drücken eine gefühlte Ewigkeit sein. Umso wichtiger ist es, dass Helferinnen und Helfer sofort handeln und sich, wenn möglich, gegenseitig ablösen.
Trotz des ernsten Themas kam auch der Spaß am gemeinsamen Lernen nicht zu kurz. Die praxisnahen Übungen sorgten für eine konzentrierte, aber zugleich motivierende Lernatmosphäre. Am Ende waren sich viele Schülerinnen und Schüler einig. Sie fühlten sich nun deutlich sicherer und würden sich im Notfall eher zutrauen zu helfen.
Die Gesamtschule Rheinbach möchte das Thema Erste Hilfe künftig noch stärker im Schulleben verankern. Deshalb haben die Kolleg*innen Katja Breuer, Mareike Krösinger und Johannes Shaw beim Deutschen Roten Kreuz erfolgreich die Ausbildung zur Erste-Hilfe-Ausbildungskraft absolviert. Ziel ist es, im kommenden Schuljahr den Schulsanitätsdienst wieder aufleben zu lassen und das Engagement der Schülerinnen und Schüler im Bereich der Ersten Hilfe nachhaltig zu stärken.
Darüber hinaus plant die Schule künftig regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse anzubieten, die auch für den Erwerb des Führerscheins anerkannt werden. So sollen die Jugendlichen nicht nur wichtige Kompetenzen für ihren Alltag erwerben, sondern auch lernen, Verantwortung für ihre Mitmenschen zu übernehmen.
Eines wurde allen Beteiligten an diesem Tag besonders deutlich: Leben retten ist keine Frage des Alters, sondern des Handelns.
Autoren: Mareike Krösinger und Inge Arandan
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